Am 25.04.2026 fand in Hardehausen das Dorfforum mit dem Titel „Dörfer in Westfalen-Lippe, Situationsanalyse.Resonanzen.Perspektiven“ statt.
Mit 36 teilnehmenden Personen: ehrenamtlich Engagierte in den Dörfern, vor allem Ortsheimatpfleger*innen und Ortsvorsteher*innen, hauptamtlich Tätige in der Dorfentwicklung, in Wissenschaft, Erwachsenenbildung und Projektmanagement, sowie Landrat Michael Stickeln (Kreis Höxter) und Bürgermeister Johannes Schlütz (Nieheim).
Prof. Dr. Ulrich Harteisen und Dr. Swantje Eigner-Thiel, (HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Forschungsgruppe Ländliche Räume und Dorfentwicklung, Göttingen) stellten die Ergebnisse ihrer quantitativ und qualitativ angelegten Studie „Dörfer in Westfalen-Lippe – Bestandsaufnahme und Situationsanalyse“ vor. Die Studie wurde in den Jahren von 2022 – 2025 im Auftrag der Geographischen Kommission für Westfalen durchgeführt und durch die LWL-Kulturstiftung und die Stiftung Sparkasse Münsterland Ost gefördert.
Im quantitativen Part wurden Bürgermeister*innen aus ganz Westfalen-Lippe befragt. Gut drei Viertel von ihnen sind der Ansicht, dass, was die politische Partizipation betrifft, die Interessen der Dörfer durch Ortsvorsteher*innen und Bezirksausschussvorsitzende insgesamt effizient vertreten werden. Allerdings zeigt sich, dass in immer mehr Dörfern keine ehrenamtliche Person für die Aufgabe des/der Ortsvorsteher*in gefunden werden kann und damit Ansprechpartner*innen für hauptamtlichen Bürgermeister*innen fehlen.
Von großer Bedeutung ist das ehrenamtliche Engagement in den Dörfern. So tragen engagierte ehrenamtliche Gruppen dazu bei, die Attraktivität des Dorfes als Wohnstandort zu erhöhen und die lokale Identität zu stärken.
Im qualitativen Teil der Studie wurden ehrenamtlich Engagierte in den Dörfern befragt. Ortsvorsteher*innen sehen sich als Anlaufstelle und Mittler*innen zwischen Dorf und Kommune, als Vermittler*in zwischen den Vereinen im Dorf und oft als „Klagemauer“ für Beschwerden aller Art. Das bestätigt der Ortsvorsteher von Hohenwepel, Daniel Strathaus, in seinem Beitrag. Für ihn war es wichtig einen Ortsbeirat zu gründen, der, besetzt mit Vereinsvorständen und sachkundigen Bürger*innen eine starke Basis der Dorfentwicklung darstellt.
Die kommunale Gebietsreform in den 1970er Jahren brachte seinerzeit einen massiven Widerstand hervor. Heutzutage sieht man keine Notwendigkeit zur Rückkehr zur administrativen Eigenständigkeit, denn zentralisierte Verwaltungsstrukturen erleichtern die Arbeitsabläufe.
Vereine sind sehr bedeutsam, ja unverzichtbar für ein attraktives Dorfleben. Sie ermöglichen die wichtige Erfahrung von Selbstwirksamkeit und stärken die Demokratie. Allerdings, so Bernhard Eder, hauptamtlicher Akteur der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen in Projekten der Dorfentwicklung, ist Dorfleben mehr als Vereinsleben. Für manche, gerne für Zugezogene, sind die klassischen Vereine und die traditionellen Feste nicht unbedingt attraktiv. Es gibt einen Trend zu themenübergreifenden Dorfvereinen sowie zu offenen Treffs, die neue Zielgruppen ansprechen und so die soziale Integration fördern.
Wichtige Einrichtungen der Nahversorgung verschwinden zunehmend aus den Dörfern: Bank, Post, Bäcker, Metzger. Mit der Schließung von Dorfgaststätten gehen elementare Treffpunkte verloren. Bürgermeister Johannes Schlütz, Nieheim betont, dass sich die Kommunen im Kreis Höxter und deren Bürgermeister*innen für alle Aspekte der Daseinsvorsorge verantwortlich fühlen, aber von der finanziellen und personellen Seite Grenzen gesetzt werden. Daraus folgt die Konsequenz, dass sich die Städte auf bestimmte Aspekte der Daseinsvorsorge fokussieren, vor allem auf Bildung und Betreuung, auf Sicherheit und Katastrophenschutz.
Fördermittel sind bedeutsam, um Projekte der Dorfentwicklung durchführen zu können. Dabei stellen die Anforderungen an Kofinanzierung und Vorfinanzierung deutliche Hürden dar. Andererseits werden die Förderprogramme von den Dörfern erfolgreich genutzt. Lia Potthast, LEADER- Regionalmanagerin im Kreis Höxter, weist darauf hin, dass die Förderung die Chance bietet, Projekte zu realisieren, die sonst nicht machbar gewesen wären, und plädiert für die Einrichtung von hauptamtlichen Förderlotsen.
Die Lebensqualität hängt insbesondere von sozialen Faktoren ab, die Erfahrung, Teil einer Gemeinschaft zu sein, das Miteinander und die Verbundenheit in Vereinen, und die Nähe zur Natur. Aber auch, so der Kreisheimatpfleger Hans-Werner Gorzolka von Infrastruktur und Versorgung, Wohnen und Umwelt, Arbeitswelt und Wirtschaft sowie von der Zukunftsfähigkeit der Dörfer. Seine Empfehlung, seine Vision ist: Dörfer sind sorgende Gemeinschaften in einer progressiven Provinz.
Heidrun Wuttke, Leiterin der Projekte Dorf.Zukunft.KI und Dorf.Zukunft.Digital des Kreises Höxter macht deutlich, welche Vorteile und Nutzen sie für die Dörfer im Kreis Höxter in den kommenden Jahren bis 2028 bieten.
Landrat Michael Stickeln ist überzeugt, dass die durch die Studie „gewonnenen Erkenntnisse für uns ein wertvoller Kompass ist, um die Zukunft unserer Dörfer noch gezielter und fundierter zu gestalten“.
Veranstalter und Teilnehmende zeigten sich mit dem Dorfforum sehr zufrieden. Die Teilnehmenden schätzten die Fülle und Dichte an relevanten Informationen, vor allem zu Fördermöglichkeiten. Für die Veranstalter, die Katholische Landvolkshochschule Hardehausen, die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Forschungsgruppe Ländliche Räume und Dorfentwicklung, Göttingen, den Kreis Höxter, den Westfälischen Heimatbund und das Netzwerk „Land.macht.Zukunft“ war das Dorfforum ein gelungenes Seminar des hochwertigen Wissenstransfers und des dichten Erfahrungsaustauschs.